Im Rahmen einer Studie setzte sich die Architektengruppe <rheinflü-gel> aus Düsseldorf intensiv mit dem Kunsthaus Zug auseinander. Die aus der Kunstakademie Düsseldorf hervorgegangene Gruppe war damals auch mit dem Umbau der dortigen Kunsthalle betraut. Eine breite Diskussion mit rheinflügel behandelte Fragen heutiger Museumsarchitektur und -praxis und untersuchte das Verhältnis von Öffentlichkeit, Raum und Kunst. Wie konnte sich der Leitbegriff des Kunsthauses Zug, <vernetztes Museum im Fluss>, räumlich auswirken?
Als eine Antwort entstand das Kunsthaus Zug mobil. Im Auftrag der Stiftung der Freunde Kunsthaus Zug konzipierte rheinflügel einen mobilen Ausstellungsraum. Der in Hamburg und Tschechien eigens angefertigte grosse Container (Länge 12 m) erfüllt die technischen Voraussetzungen, um Werke der Sammlung aufnehmen zu können; er hat eine eigene Klima- und Sicherheitsanlage. Innengestaltung und Lichtführung schaffen attraktive Ausstellungsbedingungen. Die glatte, speziell beschichtete Aussenfläche ermöglicht die künstlerische Bearbeitung. Der bewegliche <white cube>, eine Weltneuheit, eignet sich für künstlerische, kunstvermittelnde, soziokul-turelle oder kunstwissenschaftliche Aktivitäten. Als Container ist er weltweit auf der Strasse, per Bahn oder Schiff transportierbar.
Das statische <Mutterhaus> verfügt nun seit 2001 über einen zusätzlichen, ortsungebundenen Ausstellungsraum, der bereits 23 Einsätze an unterschiedlichsten Orten im Kanton Zug, in Zürich, im Kanton Baselland und in Göppingen/Deutschland hatte. Diese wurden oft in enger Kooperation mit wechselnden Partnern, Museen, Schulen, Kirchen, Gemeinden, Altersheimen etc. prozesshaft realisiert. Mit dem Kunsthaus Zug mobil geht das Museum zu den Menschen und erforscht die künstlerische Vermittlungsarbeit an ungewohnten Orten: <Streetwork Museum>. Im Raum Zug hat sich dafür bereits ein eigenes loses Publikum gebildet, das dem Container re-gelmässig begegnet und sein Konzept kennt. Das Kunsthaus Zug mobil sucht den ortspezifischen Kontakt zur Öffentlichkeit und ist als Container zugleich Metapher der heutigen Globalisierung. Es verkörpert ein verzeitlichtes Museum im Raum des Öffentlichen.
Die bisherigen 23 Einsätze bilden die Stationen einer Reise, ein Work in Progress, das in der vorliegenden Dokumentation dargestellt ist.
Das Kunsthaus Zug mobil wird 2008 im Rahmen der Ausstellung <Junger Architekten und Stadtplaner aus Deutschland international am Weltkongresses der Union Internationale des Archi-tectes (Titel <Transmitting Architecture>) in Turin vorgestellt.
Matthias Haldemann